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Delaware zieht klare Grenzen: KI kann Pflege unterstützen, aber keine Pflegefachperson sein

Der US-Bundesstaat Delaware hat mit einem neuen Gesetz eine bemerkenswert klare Position zur Rolle von Künstlicher Intelligenz im Gesundheitswesen bezogen. Mit House Bill 191, unterzeichnet am 23. April 2026, wurde festgelegt, dass nicht-menschliche Entitäten, einschließlich KI-Agenten, nicht als Pflegefachpersonen, Advanced Practice Registered Nurses, Licensed Practical Nurses, Ärzt:innen oder Physician Assistants lizenziert oder zertifiziert werden dürfen. Ebenso dürfen solche Systeme geschützte Berufsbezeichnungen wie „Nurse“, „RN“, „LPN“, „APRN“ oder „Dr.“ nicht verwenden.

Diese gesetzliche Klarstellung ist nicht als generelles Verbot von KI im Gesundheitswesen zu verstehen. Vielmehr geht es um die Abgrenzung zwischen technischer Unterstützung und beruflicher Verantwortung. KI-Systeme können in der Versorgung, Dokumentation, Kommunikation und Entscheidungsunterstützung eine wichtige Rolle spielen. Sie können Informationen strukturieren, administrative Prozesse erleichtern, Hinweise liefern oder Pflegefachpersonen im Arbeitsalltag entlasten. Was sie jedoch nicht übernehmen können, ist die professionelle Rolle einer Pflegefachperson mit rechtlicher Verantwortung, klinischer Urteilsfähigkeit, ethischer Abwägung und menschlicher Beziehungsgestaltung.

Für die Pflegeinformatik ist diese Entwicklung besonders relevant. Sie zeigt, dass die digitale Transformation im Gesundheitswesen nicht nur eine technische, sondern auch eine berufspolitische, rechtliche und ethische Gestaltungsaufgabe ist. Je stärker KI-Systeme in Prozesse der Versorgung eingebunden werden, desto wichtiger wird die Frage, wie Transparenz, Verantwortlichkeit und Patientensicherheit gewährleistet werden können. Patient:innen, Angehörige und Gesundheitsberufe müssen erkennen können, ob sie mit einem Menschen, einem digitalen Assistenzsystem oder einer automatisierten Anwendung interagieren.

Delaware setzt hier ein klares Signal: Der Einsatz von KI soll nicht durch unklare Rollenbezeichnungen oder irreführende Titel den Eindruck erzeugen, ein technisches System könne eine regulierte Gesundheitsprofession ersetzen. Gerade im Bereich der Pflege ist diese Unterscheidung wesentlich. Pflege umfasst nicht nur Informationsverarbeitung oder Prozesssteuerung, sondern professionelle Einschätzung, Kommunikation, Beziehung, Koordination, Verantwortung und situatives Handeln in komplexen Versorgungssituationen.

Auch für den europäischen und österreichischen Kontext ist diese Entwicklung interessant. Mit dem europäischen AI Act entstehen bereits neue Rahmenbedingungen für den Einsatz von KI, insbesondere in sensiblen und sicherheitsrelevanten Bereichen. Darüber hinaus braucht es jedoch berufsbezogene Diskussionen: Welche Aufgaben können KI-Systeme sinnvoll unterstützen? Wo braucht es klare menschliche Letztverantwortung? Welche Berufsbezeichnungen müssen geschützt bleiben? Und wie kann verhindert werden, dass digitale Systeme in der Praxis Kompetenzen suggerieren, die sie weder rechtlich noch fachlich besitzen?

Für Organisationen im Gesundheits- und Pflegewesen ergibt sich daraus ein wichtiger Auftrag. KI sollte nicht nur nach technischer Leistungsfähigkeit bewertet werden, sondern auch nach ihrer Einbettung in professionelle Prozesse. Dazu gehören klare Zuständigkeiten, nachvollziehbare Dokumentation, Schulung der Mitarbeitenden, transparente Kommunikation gegenüber Patient:innen und eine bewusste Auseinandersetzung mit Risiken, Grenzen und Nutzen.

Die Entscheidung in Delaware ist damit ein wichtiger Impuls für die Pflegeinformatik: Digitale Systeme können Pflege stärken, wenn sie professionell gestaltet, sicher integriert und verantwortungsvoll eingesetzt werden. Sie dürfen aber nicht dazu führen, dass berufliche Rollen, Qualifikationen und Verantwortlichkeiten verwischt werden.

Takeaway:
KI kann ein wertvolles Werkzeug in Pflege und Gesundheitsversorgung sein. Sie ersetzt jedoch keine professionelle Pflegefachperson. Für eine vertrauenswürdige digitale Transformation braucht es klare Rollen, transparente Kommunikation und eine konsequente Verbindung von Technologie, Ethik, Recht und pflegefachlicher Expertise.

Quellen: Delaware General Assembly, House Bill 191: https://legis.delaware.gov/BillDetail/142752
Laws of Delaware, Vol. 85, Ch. 250: https://legis.delaware.gov/SessionLaws/Chapter/GetPdfDocument?fileAttachmentId=654290

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