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EHDS und ELGA: Warum Pflegeinformatik jetzt Gesundheitsdaten mitgestalten muss

Mit dem European Health Data Space (EHDS) entsteht derzeit ein neuer europäischer Rahmen für den Austausch und die Nutzung elektronischer Gesundheitsdaten. Die entsprechende EU-Verordnung ist seit März 2025 in Kraft und soll den Zugang zu Gesundheitsdaten für Patient:innen stärken, die Versorgung durch bessere Datenverfügbarkeit unterstützen und die Nutzung von Gesundheitsdaten für Forschung, Qualitätssicherung und Gesundheitspolitik erleichtern.

Für Österreich ist diese Entwicklung besonders relevant, weil sie auf bestehende nationale Strukturen wie ELGA trifft. ELGA ist bereits ein zentraler Bestandteil der österreichischen eHealth-Infrastruktur. Laut Sozialministerium wurden Krankenanstalten, niedergelassene Ärzt:innen, Apotheken und weitere Einrichtungen schrittweise angebunden; 2026 folgen auch Wahlärzt:innen. Damit wird die Frage noch wichtiger, wie Gesundheitsdaten sektorenübergreifend, sicher und fachlich sinnvoll verfügbar gemacht werden können.

Für die Pflegeinformatik liegt hier ein zentrales Handlungsfeld. Pflegefachpersonen erfassen, interpretieren und nutzen täglich versorgungsrelevante Informationen: Assessments, Pflegeprobleme, Maßnahmen, Beobachtungen, Risiken, Übergaben, Medikationsinformationen und Verlaufseinträge. Wenn diese Daten nicht strukturiert, standardisiert und interoperabel dokumentiert werden, bleiben wichtige pflegerische Beiträge für Versorgung, Forschung, Qualitätsmanagement und Systemsteuerung nur eingeschränkt nutzbar.

Der EHDS macht deutlich: Digitale Gesundheitsdaten sind nicht nur eine technische oder administrative Frage. Sie betreffen die Qualität der Versorgung, die Kontinuität zwischen Einrichtungen, die Patientensicherheit und die Sichtbarkeit professioneller Pflege. Interoperabilität bedeutet daher mehr als Schnittstellen zwischen IT-Systemen. Sie braucht gemeinsame Standards, semantische Klarheit, gute Dokumentationspraxis und die Einbindung jener Berufsgruppen, die Daten im Versorgungsalltag erzeugen und verwenden.

Aktuelle Entwicklungen bei HL7 Europe zeigen, dass die praktische Umsetzung europäischer Interoperabilität voranschreitet. Im April 2026 wurden Version 2.0.0 der HL7 Europe Base und Core FHIR Implementation Guides veröffentlicht. Diese sollen eine gemeinsame Grundlage für konsistente FHIR-Implementierungen in Europa bieten. Für Pflegeinformatik ist das bedeutsam, weil pflegerische Inhalte in solchen Datenstrukturen fachlich angemessen abgebildet werden müssen, wenn sie in künftigen digitalen Gesundheitsdatenräumen sichtbar und nutzbar sein sollen.

Auch internationale Analysen unterstreichen die Bedeutung dieses Themas. Die OECD weist darauf hin, dass digitale Gesundheitssysteme nur dann personenzentriert wirken können, wenn Daten sicher, verständlich und sektorenübergreifend verfügbar sind. Müssen Patient:innen Informationen wiederholt angeben oder fehlen relevante Daten im Behandlungsprozess, leidet nicht nur die Effizienz, sondern auch das Vertrauen in digitale Gesundheitsversorgung.

Die ÖGPI sieht darin einen klaren Auftrag: Pflegeinformatik muss aktiv an der Gestaltung von Datenmodellen, Dokumentationsstandards, Interoperabilitätsprojekten, Governance-Strukturen und digitalen Anwendungen beteiligt sein. Pflege darf in digitalen Gesundheitsdatenräumen nicht nur als nachgelagerte Nutzerin verstanden werden. Sie ist eine zentrale Wissens- und Datenquelle für Versorgung, Qualität und Patientensicherheit.

Für Österreich bietet die Verbindung von EHDS und ELGA eine wichtige Chance. Wenn europäische Vorgaben, nationale Infrastruktur und pflegefachliche Anforderungen gut zusammengedacht werden, können digitale Gesundheitsdaten einen echten Nutzen entfalten: für Patient:innen, für Gesundheitsberufe, für Organisationen und für die Weiterentwicklung des Gesundheitssystems.

Fazit

Die kommenden Jahre werden entscheidend dafür sein, wie Gesundheitsdaten in Europa und Österreich strukturiert, ausgetauscht und genutzt werden. Pflegeinformatik kann hier eine Brückenfunktion übernehmen: zwischen Pflegepraxis, IT, Management, Wissenschaft, Bildung und Gesundheitspolitik. Gerade deshalb sollte sie frühzeitig und sichtbar in die Umsetzung von EHDS, ELGA-Erweiterungen und interoperablen digitalen Gesundheitslösungen eingebunden werden.

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